Übersichtskarte

Dienstag, 06.11.2012

Heng Shan

Am letzten Donnerstag musste ich dann mal zu einem anderen Kunden fahren. Der hat sein Werk bei Changsha, ca 800 km nördlich von Hongkong. Netterweise liegt in der Nähe von Changsha der Berg Heng Shan. Heng Shan ist der südlichste der fünf taoistischen Berge Chinas, die Kaiser kamen hier her um jagen und dem Himmel und der Erde zu opfern. Klingt doch so, als wäre das mal einen Wochendausflugwert, oder? Also frage ich meinen Arbeitskollegen Tony ob er mir nicht mal eine Busverbindung raussuchen kann, da die Homepage leider nicht auf Englisch verfügbar ist. Hilfsbereit macht er sich an Werk und erklärt mir dass der letzte Bus um 16.15 Uhr in Changsha abfährt und 46 RMB kostet. Er hat mir auch gleich ein Sammeltaxi bestellt, weil unser Hotel ein wenig aushalb liegt, und ich erstmal zu Busbahnhof kommen muss.

Angekommen in Changsha regnet es in Strömen. Busse sehe ich, mächtig betriebsam ist es hier und es laufen viele viele Menschen herum, aber Ticketschalter gibt es keinen. Ich irre im Regen umher und kann diesen blöden Ticketschalter einfach nicht finden. Auf nachfrage in der Post erklärt man mir, dass der wohl auf der ganzganz anderen Seite sein muss. Und tatsächlich, auf der ganzganz anderen Seite gibt es eine riesengroße Halle mit 24 Warteschlangen und einer großen Leuchtschrift darüber. Naja, stell ich mich halt mal an. Als ich drankomme und in meinem Lonley Planet auf Heng Shan deute, bekomme ich doch tatsächlich auch ein Ticket, es kostet 22 RMB und der Bus fährt um 19.15 Uhr. Komisch, viel preiswerter und wie praktisch auch noch etwas später sodass ich mir noch Changsha anschauen kann, denke ich. Und als ich das Ticket ankucke und mich frage  warum dieses Ticket genauso aussieht wie das Zugticket welches ich für den Weg von Huiyang nach Changsha bekommen habe, begreife ich dass ich gerade kein Bus sondern ein Zugticket gekauft habe. Naja, ich fahre eh viel lieber Zug, da passt das schon.

Bis zur Abfahrt kann ich mir Changsha jetzt ein bisschen ankucken. Es gibt ein städtisches Museum und der Eintritt ist frei, das nehme ich mal mit. Nach dem betreten begrüßt mich gleich ein riesengroßer Herr Mao aus Aluminium (der echte Herr Mao wurde nämlich gleich hier in der Nähe geboren). Neben dem original Nachbau von dessen Schlafzimmer hat die örtliche Industrie- und Handelskammer noch eine Sonderausstellung "Produkte aus Changsha" installiert, und so endet mein Besuch nach nur 15 Minuten. Nach zwei Tassen Kaffee, etwas Lektüre und einem kleinen Spaziergang im Park ist es dann soweit, mein Zug fährt. Die Bürger Chinas scheinen neben den neuen superschnellen Highspeedtrains, auch ihre alten Züge sehr zu mögen. Anders kann ich mir nicht erklären dass dieser historische Museumszug so voll ist. Auf meiner durchgewezten Dreiersitzbank sitzen wir jetzt zu fünft, und es strömen immer noch Leute in den Wagon. In meinem "Abteil" sitzen einige junge Chinesen mit denen ich schnell ins Gespräch komme. Sie erklären mir, dass Sie auch zum Feng Shan wollen, aber schon gleich nach der Ankunft (gegen 21.30) loslaufen werden um sich morgen früh den Sonnenaufgang anzuschauen. Ich gebe zu bedenken dass der Berg immerhin 1290m hoch ist, laut LP der Aufstieg ca 5 Std dauert und da jetzt wohl recht kalt sein könnte (zumal die 4 nichts außer ihren Kleidern am Leib dabei haben). Nene, das passt schon meinen Sie. Als wir ankommen helfen Sie mir noch ein Hotel zu finden und den Preis ein bisschen zu drücken und ziehen davon und ich sehe sie nie mehr wieder.

Herr Alu-MaoDas Schlafgemach von Herrn Mao

Sonntag morgen starte ich dann meine Tour. Der Eintritt kostet 100 RMB (~ 12,50€), aber das ist okay. Die Natur hier ist wirklich schön. Es gibt zwei Wege um auf den Gipfel zu gelangen. Nummer eins entführt entlang der Straße bis zur Seilbahnstation, Nummer zwei entlang eines Baches. Ich entscheide mich für Nummer zwei, glücklicherweise ist hier nicht viel los. Es kommen immerwieder verschiedene Tempel am Weg, aber schaut euch am besten selbst die Bilder an. Auf dem Harmoniewunschgipfel drängen sich dann doch ein paar Leute und ich werde mehrmals gefragt ob man nicht mal ein Foto mit mir machen könnte. Kann man natürlich, und so freuen sich die kleinen Chinesen. Den Abstieg spare ich mir und fahre mit dem Bus, denn ich muss mich leider ja heute noch zurück ins Hotel bewegen.

Montag, 05.11.2012

Shenzhen - OCT

Huiyang ist öde, darum beschließe ich das ganze Wochenende in Shenzhen zu verbingen. Im Lonley Planet steht eine Empfehlung für den Overseas Chinese Terminal kurz OCT, einem Bezirk mit alten leerstehenden Fabrikhallen in dem sich so langsam ein paar Künstler, Bars, Kneipen und auch ein Youth Hostel angesiedelt haben. Zufällig braucht mein Chef eine Gitarre für seinen Sohn. Die kann man in Shenzhen günstig kaufen und so kann ich mit dem Arbeitsbus Samstag morgen mit in die Stadt fahren. In Shenzhen angekommen verlasse ich die Kollegen und suche die nächste U-Bahnstation um zum OCT zu kommen. Die Shenzhener Bürger sind hilfsbereit und bringen mich persönlich zur Station. Angekommen im OCT dauert es erstmal bis ich das Hostel finden kann, ist alles ganz schön verwinkelt hier. Ich streife noch ein bisschen durch die Gegend und kucke mir die Werkstätten und das Viertel an, wirklich schön hier. Zum Abendessen bin ich dann wieder mit den Kollegen beim Inder verabredet, heute allerdings ohne "feiern", schmeckt wieder sehr gut. Vielleicht werde ich ja hier in China noch Fan der indischen Küche. Als ich vom Essen zurück komme ist es schon dunkel und manche Leute im Viertel haben ihre Beleuchtungen angeschmissen (ich glaube die haben sich ein bisschen was von der Fusion abgekuckt). Während ich noch ein bisschen umher schlendere kann ich aus einer anderen Gasse Musik hören und entdecke ein wirklich schönes Jazzkonzert. Um kurz nach halb 12 muss die Band aber dann leider schon aufhören. Die rufe nach einer Zugabe werden mit einem Augenzwinkern und den Worten "Does anybody knows the goverment?" quittiert.

Am Sonntag mache ich mich auf nach Dafen, einem anderen Viertel von Shenzhen in dem laut LP rund 3000 Künstler wohnen die sich größtenteils darauf spezialisiert haben Bilder zu kopieren und nachzumalen. Dafen ist allerdings sehr schwer zu finden. An der Station an der ich aussteige gibts alles, Handyladekabel, eine Fleischbörse, einen Gemüsemarkt aber kein Malerviertel. Nach gut 2 Stunden erfolgloser Suche und einem recht ausgedehnten Spaziergang beschließe ich zurück zum Hostel zu fahren, ich muss jetzt langsam auschecken. An den Hosteltheke frage ich die Mitarbeiterin nochmal ob ich an der richtigen Station war, oder ob Dafen vielleicht irgendwo anderes liegt. Die erklärt mir aber, dass ich schon richtig war und eigentlich kurz davor gestanden haben müsste. Also entschließe ich mich nochmal rüber zu fahren und zu kucken - und tatsächlich - hinter dem riesigen Walmart haben sich die Künstler versteckt.

Wenn man sich im Internet ein handgemaltes Bild bestellt, dann entsteht das denke ich hier. Es reihen sich aneinander: Leinwandbauer, Farbenhändler, Rahmenbauer, Maler und Leute mit Plotter. Alle zusammen bilden wollen die größte Kunstkopiergemeinschaft der Welt. Die vermeintlich Künstler entpuppen sich allerdings recht oft als einfache Nachmaler. Die Motive werden nämlich zuvor beim benachbarten Plotterkollegen ganz schwach auf eine Leinwand gedruckt, dann auf einen Keilrahmen gespannt und einfach nachgepinselt. Sieht trotzdem alles nicht schlecht aus und is auch gar nicht so teuer.

das kleinse Atelier der Welt

Montag, 05.11.2012

Die ersten Tage

Nachdem ich Montagabend in Shanghai angekommen bin und meinen ersten Tag in der chinesischen Niederlassung in Suzhou verbracht habe, bin ich dann sogleich nach Huiyang (meinem Bestimmungsort für die ersten Wochen) weitergereist. Bei dem Kunden hier haben wir einige Maschinen stehen, welche Gläser für Mobiltelefone eines großen und hippen Elektronikkonzern produzieren. Nach meiner ursprünglichen Begeisterung dass Huiyang ja gleich bei Shenzhen liegt, und Shenzhen ja direkt an Hongkong angrenzt, und dass das da ja vielleicht garnicht so schlecht ist weicht schnell Ernüchterung. Huiyang hat zwar ~400000 Einwohner, hat aber leider nicht mehr zu bieten als Schweinfurt, eher weniger. Die Aktivitäten nach Feierabend beschränken sich aufs Essen gehen mit den Kollegen. Ein kleiner Wehmutstropfen ist noch der nicht allzu weit von unserem Hotel entfernte Propagandaplatz, der einzige etwas grünere Fleck hier in der Stadt. Ansonsten ist Huiyang wirklich eine Industriestadt wie sie im Buche steht. Am Samstag bin ich dann mal mit den Kollegen nach Shenzhen gefahren (~1,5 Std entfernt). Nachdem Pawan und Murugan, die beiden Inder aus meiner Gruppe so davon geschwärmt haben, entschließen wir indisch essen zu gehen. Das Restaurant befindet sich in einer U-Bahnstation unter dem Shoppingcenter, aber es schmeckt wirklich sehr gut. Mit vollen Bäuchen ziehen wir dann noch alle weiter. Es geht in den Lax-Club, einer nicht wirklich definierbaren Einrichtung. Das Ganze ist irgendwie wie eine Mischung aus Disothenk Look Bad Kissingen und chinesischem Ballerman 6 auf schick getrimmt. Nach 2 GinTonic und 2 Bier haben wir genug von der "Veranstaltung" und bestellen den Fahrer.

Hier noch ein paar Bilder aus der Stadt:

Die Straße vorm Hotel Straßenverkauf Der Propagandaplatz von Huiyang  eine Elektromaschinenbauer Auf dem Weg zur Arbeit Propagandaplatz Schweinshaxenstand Straßenküche